In dieser Folge geht es nach Ägypten – zu einem Ereignis, bei dem Fußball, Revolution, staatliche Gewalt und Erinnerung aufeinanderprallen: Port Said 2012.
Am 1. Februar 2012 spielen Al-Masry und Al Ahly gegeneinander. Nach dem Spiel sterben mehr als 70 Menschen, viele von ihnen Fans von Al Ahly. Was zunächst wie eine Stadionkatastrophe wirkt, wird schnell zu einer größeren Frage: War es Gewalt zwischen Fangruppen, massives Versagen der Sicherheitskräfte – oder erzählt Port Said etwas über das Verhältnis zwischen Staat, Polizei und organisierter Fankultur nach der Revolution von 2011?
Gemeinsam mit dem Journalisten Sofian Philip Naceur sprechen wir über die ägyptischen Ultras, ihre Rolle während der Proteste, den Konflikt mit dem Sicherheitsapparat und die Frage, warum organisierte Fankultur für einen autoritären Staat gefährlich werden kann.
Es geht um Al Ahly und Zamalek, um die Revolution von 2011, um Port Said, um den Tod von Zamalek-Fans 2015 und darum, was von dieser Bewegung bis heute geblieben ist.
Diese Folge romantisiert Ultras nicht. Sie fragt, warum sie in Ägypten so wirkmächtig werden konnten – und warum ihre Präsenz im öffentlichen Raum politisch wurde. Fußball ist nie nur Fußball. In dieser Folge vielleicht ganz besonders.
Weiterführende Links zur Folge
Wer nach der Folge tiefer einsteigen möchte, findet hier Texte, Hintergründe und Analysen zu Port Said, den ägyptischen Ultras, Repression, Revolution und Fußball als politischem Raum.
Sofian Philip Naceur: „Ägypten: Staat gegen Ultras“
Der wichtigste Einstieg zur Folge: Sofian Philip Naceur beschreibt den Konflikt zwischen ägyptischen Ultras und Staatsmacht, die Folgen von Port Said, die Rückkehr der Fans und den Tod von Zamalek-Anhängern 2015.
Sofian Philip Naceur bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Informationen zu Sofians journalistischer und politischer Arbeit zu Ägypten, Algerien, Nordafrika, Repression, Gesellschaft und internationalen Machtverhältnissen.
Guardian: „Egypt football violence: ‘I saw people with knives and swords’“
Ein zeitnaher Bericht zu Port Said 2012 mit Augenzeugenstimmen, ersten Deutungen und der Frage, warum dieses Spiel schnell weit mehr wurde als eine gewöhnliche Stadionkatastrophe.
Guardian: „Egypt football violence: hooliganism on the surface, state thuggery underneath“
Ein Kommentar, der Port Said politisch einordnet: nicht nur als Gewalt zwischen Fans, sondern als Ereignis im Schatten von Revolution, Polizei, Sicherheitsapparat und tiefem Staatsmisstrauen.
The New Yorker: „Soccer, Riot, and Revolution in Egypt“
Eine erzählerische Einordnung zu Port Said, den Protesten danach und der Frage, warum Fußball, Revolution und staatliche Gewalt in Ägypten so eng miteinander verbunden waren.
POMEPS: „Reclaim the Spectacle: Ultras Fandom and the Politics of the Sporting Event in Egypt“
Eine starke Analyse über ägyptische Ultras als Bewegung, die sich Stadien und öffentliche Räume aneignete – und damit für einen autoritären Staat zum Problem wurde.
Robbert Woltering: „Unusual Suspects: ‘Ultras’ as Political Actors in the Egyptian Revolution“
Wissenschaftlicher Aufsatz über die Rolle ägyptischer Ultras während der Revolution von 2011. Besonders spannend für die Frage, warum organisierte Fußballfans plötzlich als politische Akteure sichtbar wurden.
Guardian: „Death of Zamalek fans in riot stirs political conspiracies in Egypt“
Der Text zeigt, warum Port Said kein abgeschlossenes Kapitel blieb. 2015 starben erneut Fußballfans – diesmal Anhänger von Zamalek. Der Bericht macht deutlich, wie tief das Misstrauen gegenüber Polizei und Staat weiter wirkte.
TIME: „Egyptian Fans Blame Police for the Death of 22 in Stampede“
Ergänzende Perspektive auf die Ereignisse von 2015 und die Vorwürfe gegen Sicherheitskräfte. Wichtig, um zu verstehen, warum Fans auch Jahre nach Port Said keine Normalisierung erlebten.
Amnesty International: „Egypt: Shocking deaths at football match lay bare security forces’ failures“
Amnesty International ordnet den Tod der Zamalek-Fans 2015 menschenrechtlich ein und stellt die Verantwortung der Sicherheitskräfte in den Mittelpunkt.
Guardian: „Six years after the Port Said riot, Egypt’s fans return to the stadiums“
Ein Blick auf die kontrollierte Rückkehr von Fans in die Stadien. Interessant ist hier vor allem die Frage: Kehren Fans zurück – oder nur eine staatlich erlaubte, entpolitisierte Form von Fankultur?
Ronnie Close: „Cairo’s Ultras: Resistance and Revolution in Egypt’s Football Culture“
Das zentrale Buch zum Thema: Ronnie Close erzählt die Geschichte der Kairoer Ultras zwischen Fankultur, Revolution, Widerstand und staatlicher Repression.
„Cairo’s Ultras“ bei JSTOR
Digitaler Zugang und weitere bibliografische Informationen zu Ronnie Closes Buch über die Ultras von Kairo und die politische Dimension ägyptischer Fußballkultur.
Weitere Hörfehler-Folgen zum Weiterhören
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HRF 107 | 129 Freunde – Jagd auf Gespenster
Ein Podcastfeature über Polizeiwillkür gegenüber Fußballfans, Überwachung, Betroffene und anwaltliche Perspektiven.
HRF 233 | Zwischen Kurve und Krieg: Frank Willmann über den Warlord Arkan
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HRF 079 | Aus der Geschichte der italienischen Ultras
Ein Blick ins Mutterland der Ultrakultur: Entstehung, Selbstverständnis, Ästhetik und politische Dimensionen italienischer Fanszenen.
HRF 087 | Über die griechische Fußball- und Fankultur
Eine Folge über griechische Fußballkultur, große Kurven, Geschichte, Leidenschaft und die besondere politische Aufladung des Fußballs in Griechenland.
HRF 231 | Griechische Gespräche Teil 2
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HRF 235 | Meister des Sports: Fußball, Politik und Geschichte
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