HRF 043 | über den 1.FC Lok Stendal

…im Gespräch mit Dirk Schultz

Jeder Verein hat seine ganz eigene Geschichte, dass ist auch beim 1.FC Lok Stendal nicht anders. Wechselvoll, stellenweise durch Strukturwandel von „oben“ bestimmt, durch die Wendeturbulzen gut durchgekommen, immer das Aushängeschild des Fußballs in der Altmark. Der 1.FC Lok Stendal stellte Nationalspieler, gehörte über viele Jahre zur DDR Oberliga, machte zuletzt als Pokalschreck Mitte der Neunziger bundesweit Schlagzeilen. Damals war Stendal die Nummer eins im Sachsen-Anhaltinischen Fußball und hat mit dem „Hölzchen“ ein wunderschöne, historische Anlage. Dank Vereinshistoriker Dirk Schultz gibt es tiefe Einblicke in die Vereinsgeschichte.

Shownotes: Homepage 1.FC Lok Stendal, Wikipedia Lok Stendal, Artikel zu Stendaler Sportmuseum, Viktoria Stendal, Hans Wendler, Wikipedia zu Betriebssportgemeinschaften im dritten Reich und der DDR, Kurt Liebrecht, Gerd Backhaus, Ernst Lindner, Hans Zeppmeisel, Olympia-Pokal, Stadion am Hölzchen

Reportage – Fußball-Panorama DDR Fernsehen von 1989

Unvergessene Vereine – Serie von „Sport im Osten“ MDR

22 Gedanken zu „HRF 043 | über den 1.FC Lok Stendal

  1. Hallo Nicky,
    vielen Dank für deinen Podcast.
    Noch einige Gedanken zum „staatlich verordneten“ Vereins(un)wesen.

    Ich denke man darf die Erfahrungen von 1933 bis 45 nicht vergessen.

    Die Arbeitersportvereine, wurden fast alle verboten im Ergebnis ausgelöscht.
    Mir fallen nur noch die Radfahrer ein, die es nach dem Krieg wieder gab.
    (Gab es eigentlich viele Arbeiterfußballvereine?)
    Die „bürgerlichen“ Vereine sind (fast alle) mit wehenden Fahnen zu den Nazis übergelaufen. Haben, zum Teil in vorauseilendem Gehorsam, Juden und andere Missliebige ausgeschlossen.

    Nochmals danke für deinen Podcast.

    Grüße aus dem Badischen sendet dir

    Martin

    • Hallo Martin, Dankeschön, einmal mehr für dein Feedback. Auf Facebook gibt es eins, zwei Seiten zum Arbeiterfußball. Neuerdings ja auch ein paar Bücher, aber ich glaube da gibt es noch viel aufzuarbeiten. Hier im Saarland gab es auf jeden Fall in Saarbrücken einen Arbeiterverein. In Bielefeld gibt es den Verein „Fichte“, der wohl auch Arbeiterroots hat. Definitiv noch ein Thema für den Podcast.

  2. Hallo zusammen! Hier ein Wikipediaeintrag zur Stadt Stendal und somit zu den Einwohnerzahlen. Die Familie von Bismarck kommt ursprünglich aus Stendal. Otto von Bismarck lebte u. a. in Schönhausen an der Elbe (ostelbisch) bei Tangermünde (westelbisch), das 10 km von Stendal entfernt liegt. In den 50er Jahren, als mein Vater zur BSG Lokomotive gegangen war, waren 15.000 und mehr Zuschauer bei den Spielen anwesend. Diese Zahl hatte Lok das letzte Mal am 31.10.1995 im DFB-Pokal Viertelfinale gegen Bayer 04 Leverkusen mit 10.000 – 12.000 Zuschauern. In den 90er Jahren während der Regionalligazeit von Lok Altmark waren die Zuschauerzahlen zwischen 1.200 bis 6.000, je nach Gegner. Vereinsfarben sind Rot und Schwarz wie die Dampflokomotiven. Darüber hinaus gibt es heute noch in Stendal (in der Kernstadt, also ohne die Eingemeindungen in den letzten 20 Jahren) Post Stendal in Röxe, TuS Wahrburg, und es gab den Stendaler BC (= SC Preußen Stendal) um das Jahr 1910 herum, der wohl heute noch als SG BSC Stendal existiert. Ach so, und ohne Lok Stendal als Talentschmiede würde es keinen 1.FCmmh geben, aus der „Verbotenen Stadt“.😆

    • Hallo Valentino, wieder was gelernt. Dankeschön für dein Feedback. Das mit Bismarck wusste ich nicht.

      Grüße nach Stendal
      Nick

    • Hallo Valentino,
      in Kurzversion: den Stendaler Ballspielclub (BSC) und den FC Preußen Stendal kann man nicht in einen Topf werfen. Das waren zwei verschiedene Vereine. Die Preußen waren der erste Stendaler Fußballverein (1908). Der BSC wurde 1910 als FC Hohenzollern gegründet. Nach dem 1. Weltkrieg war das „Kaiseranhimmeln“ out und man benannte sich in Stendaler Ballspielclub um. 1922 Verschmelzung von Preußen und BSC zur Sport- und Spielvereinigung Stendal. 1928 Konkurs des Vereins. Neugründung des BSC 1929/30. 1945 Verbot aller Vereine. Nach der Wende Wiederauferstehung des BSC. Vor kurzem Anschluss des BSC an den 1. FC Lok Stendal. Der BSC existiert somit nicht mehr.
      Beste Grüße
      Jörg

  3. Hallo Nick,
    ich habe erst heute von der Veröffentlichung dieser Sendung erfahren. Da du gesagt hast, Dich interessiert besonders die Zeit vor 1945 (mir geht es übrigens genauso) schiebe ich noch eine Richtigstellung und ein paar Ergänzungen über den Viktoria Stendal nach.
    Es wurde der Vereinsname FC Viktoria „1908“ Stendal genannt, richtig ist „1909“. Das war aber bestimmt nur ein Versprecher.
    Dirk hat ja schon die Fußballvereine aus der Zeit vor 1945 genannt. Der erste Stendaler Fußballverein wurde am 22.01.1908 gegründet. Es war der FC Preußen Stendal. Das erste offizielle Fußballspiel fand dann am 05.04.1908 zwischen den Stendaler Preußen und Saxonia Tangermünde statt. Ergebnis: 2:2. Ende 1909 gab es beim FC Preußen eine außerordentliche Mitgliederversammlung bei der Streitigkeiten hervortraten. Als Ergebnis dieser Unstimmigkeiten gründete ehemalige Mitglieder des FC Preußen den FC Viktoria 1909 Stendal. Die bisher gefundenen historischen Unterlagen geben aber keinen Grund für diese Unstimmigkeiten an.
    Der im Podcast erwähnte Sportplatz des FC Viktoria wurde nicht erst 1929 eingeweiht. Schon Ende 1910 spielte die Viktoria auf diesem Gelände das zwei Wohltäter dem Verein zur Verfügung stellten. Zu Anfang spielte Viktoria noch auf dem benachbarten Sportplatz des Männer-Turn-Vereins (MTV), der ja bei Euch auch als ältester noch existierender Sportplatz in Sachsen-Anhalt erwähnt wurde. Da es in der Anfangsphase immer wieder Probleme mit der Rasenfläche gab. Musste man noch bis 1912 zeitweise auf den Platz des MTV oder einen anderen Platz ausweichen.
    Im Sommer 1912 war dann der Platz des FC Viktoria so weit hergestellt, dass eine erste Platzweihe stattfand. Im genannten Jahr 1929 wurde dann an gleicher Stelle das erste kleine „Stadion“ eingeweiht.
    Viktoria Stendal spielte übrigens in „Gesellschaftsspielen“, wie die Freundschaftsspiele früher genannt wurden, auch gegen renommierte Gegner. Zwei Beispiele: 1922 gegen den FC Kaiserslautern, Ergebnis: 1:2. 1923 gegen den damals amtierenden Westdeutschen Meister Arminia Bielefeld, Ergebnis: 2:1. Beide Gegner traten mit ihren besten Mannschaften an. Man sieht, die Spieler von Viktoria konnten durchaus mal über sich hinauswachsen und gegen eigentlich viel stärkere Mannschaften bestehen.
    Wenn noch mehr Infos gewünscht sind, kann ich noch welche, oder auch Anekdoten, nachschieben.
    Schöne Grüße aus Stendal
    Jörg

    • Grüß dich Jörg, Dankeschön das du dich gemeldest hast und hier dein Feedback hinterlässt. Das wertet das Ganze insgesamt nochmals auf. Ja ich mag die Ursprünge von Vereinen, wie kam der Fußball in die Gegend, wie entstand der Verein. Im Grunde ist es zwar überall ähnlich, aber eben nur ähnlich und wenn man dann hört wie es bei der Vienna oder Rapid gelaufen ist oder in Basel, dann merkst man doch das eben jeder Verein seine ganz eigene Geschichte hat. Von daher freue ich mich umso mehr das du noch soviele Fakten zusammengetragen hast. Mich würde ja noch interessieren wie du das beurteilst, mit dem Vorgängerverein oder eben doch keiner. Mir scheint das im DDR Fußball eh nochmal ein spezielleres Thema zu sein, als in der Bundesrepublik. Dirk hat seine Sicht da ja sehr gut dargestellt.

      Schöne Grüße in die Altmark
      Nick

  4. Hallo Nick,
    Dirk hat es in der Sendung erwähnt – einen rechtlichen Vorgänger von Lok Stendal gibt es nicht, da 1945 alle Vereine verboten wurden. Nun kann man, so man möchte, zwischen zwei Varianten für einen „gefühlten“ Vorgänger wählen:
    1) FC Viktoria Stendal: die geschichtliche Verbindung ist, dass der Verein seit 1910 auf dem Platz des heutigen Stadions spielte. Einzelne Spieler waren Ende der 1940er noch bei der BSG Lok Stendal aktiv.
    2) Reichsbahn Turn- und Sportverein Stendal (1930 gegründet): die geschichtliche Verbindung ist, dass dieser Verein ab seiner Gründung auch das RAW als Unterstützer hatte und der große Teil der Mitglieder bei der Reichsbahn und dem RAW beschäftigt war. Der Verein hatte auch seine Turnhalle und einen kleineren Sportplatz auf dem Betriebsgelände des RAW. Mit Fußball hatte der Verein nur unterklassig am Rande zu tun. 1934 gab es einen Zusammenschluss mit dem Turnverein Jahn Stendal. Dies wohl finanziell und politisch bedingt.
    Mein gefühlter Vorgänger ist die Nr. 2, aber wie gesagt, das ist Ansichtssache.
    Bei meine Sportgeschichtsforschung (seit 2011) über den Stendaler Sport fasziniert mich am meisten die Zeit vor 1945, in Stendal ab 1815. Auch die Anfangsjahre des Stendaler Fußballs liefern da einige Anekdoten, die es wohl auch in anderen Orten Deutschlands so ähnlich gab. Da wurden z. B. Fußballspiele abgebrochen „infolge Unfähigkeit des Schiedsrichters“, oder weil der einzige verfügbare Ball seinen Geist aufgab. Was mich aber am meisten überraschte war, dass es schon 1909 auch bei uns in der Provinz Zuschauerausschreitungen gab. Beispiel: Entscheidungsspiel um die Altmarkmeisterschaft zwischen Minerva Wittenberge und FC Preußen Stendal. Zeitungsartikel: „ … 12 min. vor regulärem Schluß, durch den Schiedsrichter wegen gemeingefährlich rohen Spiels seitens Minervas abgepfiffen. … Wegen rohen Spiels wird Fiedler (Minerva) disqualifiziert und dem ganzen FC Minerva wegen Unbotmäßigkeit gegen den Schiedsrichter eine Verwarnung erteilt. Das Wittenberger Publikum ließ sich durch den Verlauf des Spiels zu schweren Ausschreitungen hinreißen, in deren Verlauf der Schiedsrichter sogar mit Steinen beworfen und das Lokal, in dem die „Preußen“ saßen, stundenlang umlagert wurde.“ Der FC Preußen siegte übrigens mit 2:0.
    Wenn noch weitere Fragen offen sind, immer raus damit.

    Ich wünsche Dir und allen anderen ein schönes Wochenende.
    Schönen Gruß
    Jörg

    • Hallo Jörg, dass hatte ich doch fast vermutet das du für Alternative zwei bist. 🙂 Auf jeden Fall finde ich diese Sicht sehr spannend. Sehr, sehr schön deine Anektoden. Es gibt ein wunderbares Buch über den Altonaer Fußball. In dem hat der Autor alle möglichen Zeitungsartikel 1:1 und die diversen Schriften aus Vereinschroniken zusammengetragen. Auch ein wunderbares Stück Zeitgeschichte, dass sehr eindrücklich die Anfangstage beschreibt und auch die Auswirkungen des 1.Weltkriegs u.a. ist da auch die Feldpost von damaligen Spielern an die Vereine dabei. Ansonsten Dankeschön für dein wunderbares und tiefgreifendes Feedback.

      Eine schöne Restwoche
      Gruß Nick

  5. vielen dank @ nick und den sehr eloquenten und kompetenten lok-experten!
    eine wirklich sehr schöne und informative folge.

    gerade vor dem wichtigen spiel meiner lichtenberger 47er im aufstiegskampf amkommende sonntag am hölzchen kam der tiefe einblick in die vereinsgeschichte und -kultur des fc lok sehe willkommen!
    wir gönnen euch stendaler eisenbahnern von herzen den klassenerhalt, zumal ihr ja auch vom fanaufkommen her eine deutliche bereicherung der ol nordost nord seid!
    ihr werdet es mir hoffentlich aber nicht verübeln, dass wir 47er dennoch alles geben müssen, um auch im schmucken hölzchen weitere drei punkte einzufahren, damit unser traum vom aufstiegin die regionalliga – als eigentlich (vor allem finaniell!) krasser außenseiter ggü tebe – sich erfüllen mag.

    eiserne grüße von der „47-unioniert-rotweißen-seite“ berlins aus der alten försterei und dem zoschke, den schönsten und echten fußballstadien berlins!

    • Hallo Mo, das freut mich doch, wenn die Folge so gut ankommt. Das Feeback zum Passwort 🙂 am Schluß der Sendung war auf jeden Fall sehr zahlreich und die Hörer bunt gemischt. Freut mich das hier ein Lichtenberger zuhört. Dankeschön für dein Feedback, dass freut mich wirklich sehr und solltest du einen Lichtenberger kennen der historisch über die 47er erzählen könnte. Es wäre mir eine Freude.

      • lieber nick,
        es wird mir eine freude sein, dir einen kompetenten gesprächspartner zum thema sv lichtenberg 47 – dem stolzen aufsteiger 2019 in die regionalliga nordost – zu vermitteln.

        falls auch interesse an einem außerordentlich kenntnisreichen, redegewandten und auch menschlich sehr angenehmen interview-gast zum thema geschichte des 1. FC Union Berlin (insbesondere in sachen aufarbeitung der ddr-ära!), lass es mich wissen und ich werde versuchen, schnellstens den kontakt in die wege zu leiten.

        beste eisern-47er-grüße
        mo

        vielen dank für deine tolle arbeit und die schönen stunden mit deinen gesprächspartnern, bitte weiter so,,,immer weiter…ganz nach vorn! 😉

        • Grüß dich Mo, Dankeschön für die Komplimente, dass motiviert 😉 Sehr gerne doch nehme ich dein Angebot an, damit du noch ein paar unterhaltsame Stunden mehr hast.

          Grüße Nick

          • Glückwunsch nach Lichtenberg! Auf eine Folge über den EAB 47 würde ich mich richtig freuen! Durch meine beiden Besuche bin neugierig auf Details der Vereinsgeschichte und Anekdoten.
            Grüße Christoph (Nebensachefussball Blog)

  6. Auch dir Stephan tausend Dank für das Feedback. Wäre zu wünschen das auch in Zukunft wieder soviele Menschen den Weg ins Hölzchen finden. Wer weiß…

    Schöne Grüße
    Nick

  7. Hallo Nick und alle Mitleser,
    ich muss mal ein wenig „Klugscheißen“. Alle kennen das Stendaler Stadion ja als „Hölzchen“ oder als „Wilhelm-Helfers-Kampfbahn“ in der DDR. Nach der Wende wurde wieder der Name „Am Hölzchen“ gewählt. Wenn man es geschichtlich genau betrachtet, muss es eigentlich richtig heißen „Stadion bei Heinrichslust“.

    Warum? Folgender Beschluss erging am 13.04.1865: „Die Stadtbehörden haben beschlossen, die Anlagen auf beiden Seiten der Arneburger Chaussee beim städtischen Waldwärterhause zur dankbaren Erinnerung an ihrem Schöpfer, den verstorbenen Geheimen Regierungs-Rath Heinrich, fortan als „Heinrichslust“ zu bezeichnen. Stendal, den 13. April 1865. Der Magistrat. Frommhagen.“ (Anm.: Frommhagen war der damalige Bürgermeister)
    Der Grund: Carl Eduard Heinrich war als Vorsitzender des Verschönerungsvereins maßgeblich für die Schaffung der dortigen Parkanlage mit dem heutigen Platz 2 (dem ältesten noch existierenden Sportplatz Sachsen-Anhalts) verantwortlich und stellte der Stadt dafür auch Grundstücke zur Verfügung. Heinrich, der auch für viele andere öffentliche Parkanlagen verantwortlich war, ist bis jetzt der einzige verdienstvolle Stendaler dem ein Gedenkstein gesetzt wurde. Der Gedenkstein steht heute noch nah am heutigen Platz 2.

    Es hieß auch viele Jahre offiziell oder in der Zeitung, wenn über ein Fußballspiel berichtet wurde „auf dem Viktoria-Platz bei Heinrichslust“. Schon vor dem 1. Weltkrieg wurde aber langsam wieder der Volksmund mit „Hölzchen“ verwendet, auch von offizieller Seite, so dass es in der damaligen Presse einen „Beschwerdeartikel“ gab, dass sogar die Stadt und die Polizeibehörde die Bezeichnung „Hölzchen“ verwendet und damit nicht die Verdienste Heinrichs ehrt.
    Heute ist der Volksmund auch nicht mehr wegzubekommen. Es heißt eben „Stadion am Hölzchen“. Ich persönlich finde das nicht gut, dass man die großen Verdienste eines Bürger Stendals jetzt nicht mehr ehrt.
    Schönen Gruß an alle.
    Jörg

    • Halli Hallo Jörg, was ich mich jetzt frage, wie kommt der Volksmund auf das Hölzchen? Und welche Bezeichnung war eher da? Wobei Stadion bei Heinrichslust ja irgendwie orgineller klingt. Es lässt aber viel Luft für Wortspiele. :-). Auf jeden Fall eine sehr interessante Anektode. Was ein Ort alles erzählen kann.

      Liebe Grüße Nick

      • Hallo Nick,
        die Antwort kommt etwas verspätet. Der Einsatz als Wahlhelfer beanspruchte einige Zeit.
        Der Begriff (Volksmund) „Hölzchen“ bestand schon Anfang des 19. Jh. und beschreibt den südlichen Teil des wesentlich größeren Stadtforstes, der am nordöstlichen Rand von Stendal liegt. Heute ist die direkte Verbindung zwischen „Hölzchen“ und Stadtforst durch Straße und landwirtschaftliche Flächen unterbrochen. Bei Google-Maps kann man das gut erkennen.
        Über den direkten Ursprung des Begriffes „Hölzchen“ kann ich nichts sagen, ist aber wahrscheinlich durch den eben erwähnten kleinen Teil des Stadtforstes zu erklären.
        Ja, „Stadion bei Heinrichslust“ klingt nicht nur besser, wäre aber, wie ich oben erwähnte, auch wegen der Verdienste C. E. Heinrichs angebracht und es wurde vom Magistrat schließlich auch so beschlossen. Mit eine Ursache für den dann wieder benutzten Begriff „Hölzchen“ ist, dass die damals gegenüber dem Stadion gelegene Gaststätte (diese gab es bis zur Wende) sich 1865 auch den Namen „Heinrichslust“ gab und dies bis zum 2. Weltkrieg auch behielt. Zur Unterscheidung von Areal und Gaststätte kam dann wieder der Volksmund „Hölzchen“ zum Tragen.
        Bei Wikipedia und auf anderen Fußballseiten sind einige nicht korrekte Angaben zum Stendaler Stadion und dem FC Viktoria Stendal vorhanden, z.B. dass ab 1909 dort Fußball gespielt wurde. Die Verfasser berufen sich da immer auf nicht korrekte Quellen. Richtig wäre hier z.B., dass ab Herbst 1910 auf dem Gelände ein erster einfacher Rasenplatz angelegt wurde. Ohne Tribünen und dergleichen. Wenn ich mal Zeit finde, werde ich wenigstens bei Wikipedia mal die Angaben berichtigen.
        Schönen Gruß aus der grünen Sport- und Hansestadt Stendal.
        Jörg

        • Grüß dich, irgendwie stelle ich mir bei deinen Beschreibungen immer alles in schwarz/weiß vor. Die Damen mit schönen Kleidern und Sonnenschirm, viel Spitze und die Männer mit feinen Anzügen, Taschenuhr, also voll Klischee. ;-). Schade das es jetzt Hölzchen klingt, aber wer weiß vielleicht ändert sich das ja nochmal.

  8. Das war eine ganz wunderbare Folge! Herzlichen Dank dafür! Du hattest mit Dirk Schultz auch einen sehr kompetenten Gesprächspartner, dem man auch sehr gut zuhören konnte. Das hatte echt Niveau!

    Grüße Christoph

    • Hi, das freut mich doch sehr das du den Weg hierher gefunden hast. 😉 Dankeschön für das Feedback. Ich finde auch, Dirk hat glaube ich beste Werbung für Lok Stendal gemacht.

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